Nach der emotionalen Welle: Wenn Stille zur Kraftquelle wird
- Marina Krauer-Stöckli
- 8. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Ein Einblick in das Halten, Loslassen und Auftanken nach intensiven Tagen.
Es gibt diese Tage, an denen unheimlich viel los ist. Nicht im Sinne eines riesigen, vollgepackten Programms, das es stur abzuarbeiten gilt, sondern vielmehr im emotionalen Bereich. Ein solches Wochenende liegt gerade hinter mir – eine Zeit, die mich emotional sehr viel Kraft und Energie gekostet hat. Es war ein ständiger, dynamischer Wechsel: Energie, die ich geben durfte; Emotionen, die ich in anderen wecken und begleiten konnte; Gefühle, die ich teilen durfte – aber auch eine intensive Welle von Emotionen, die von aussen auf mich einströmte.
Als Projektorin kenne ich diese Dynamik nur zu gut. Das tiefe Wahrnehmen des Gegenübers ist ein grosses Geschenk, kann aber ohne die bewusste Abgrenzung das eigene System überfordern. Mittlerweile weiss ich glücklicherweise, wie ich mit diesen emotionalen Wellen umgehen kann. Ich habe gelernt, sie ganz bewusst anzunehmen, sie für den Moment zu halten, aber sie schlussendlich auch wieder fliessen zu lassen und abzugeben.
Erst durch das tiefe Verständnis für dich selbst entsteht die Basis für wahrhaftige Verbundenheit mit anderen. Erst wenn wir lernen, unsere eigenen Extreme zu vereinen, können wir im Aussen ein stabiler Anker sein.
Und trotzdem: Selbst mit den besten Werkzeugen ist das eigene Energielevel nach so intensiven Stunden schlichtweg aufgebraucht. In solchen Momenten sehne ich mich nach nichts mehr als nach tiefer Ruhe und nach Einsamkeit. Diese heilende Einsamkeit finde ich am liebsten draussen in der Natur. Egal ob im kühlen Wald, über die weiten, sommerlichen Felder oder – wie so oft – den Rhein entlang: In diesen wertvollen Augenblicken kann ich meine Batterien endlich wieder aufladen.
Hier draussen, in der Stille und der Bewegung, geschieht das eigentliche Sortieren. Ich lasse los, was nicht mehr zu mir gehört. Ich prüfe ganz in Ruhe, was ich an Emotionen, Gefühlen und Erkenntnissen in mein Feld integrieren möchte und was mich einfach wieder verlassen darf.
Solche intensiven Phasen bringen mir immer ein tiefes inneres Wachstum und wertvolle Erkenntnisse. Auch dieses Mal waren viele Geschenke dabei, doch es wurden auch Fragen aufgewirbelt, auf die ich im Moment noch keine Antwort habe. Doch anstatt in den Verstand zu gehen und Lösungen zu erzwingen, vertraue ich auf das Timing. Die Antworten werden kommen, wenn der Raum bereit ist. Bis dahin darf ich diese Fragen beruhigt beiseitelegen.
Nun geniesse ich den Ausklang dieses ruhigen Abends, spüre die Verbundenheit zu mir selbst und blicke voller Vorfreude und Vertrauen einer neuen, spannenden Woche entgegen.




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