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Was uns Ragnarök über Selbstliebe, Eigenverantwortung und den großen Systemwechsel lehrt

  • Marina Krauer-Stöckli
  • 28. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

In den letzten Tagen habe ich Nordische Mythen und Sagen gelesen. Ein Thema hat mich dabei tief berührt und beschäftigt: Ragnarök, die sprichwörtliche Götterdämmerung.

Während viele darin nur den bildgewaltigen Untergang einer alten Welt sehen, wurde mir beim Lesen klar: Ragnarök ist ein zeitloser Archetyp für fundamentale Umbrüche. Es ist ein glasklarer Spiegel für unsere heutige Zeitqualität – und eine kraftvolle Erinnerung daran, worauf es jetzt wirklich ankommt: Selbstliebe und Eigenverantwortung.


Der Systemwechsel im Außen: Warum das Gewohnte bröckelt

Wir spüren es derzeit auf allen Ebenen: Die alten Systeme, in denen wir uns lange eingerichtet haben, geraten ins Wackeln. Im Mythos entfesselt sich der Riesenwolf Fenrir und bricht aus seinen magischen Bändern aus; die Natur gerät durch das Beben des Weltenbaums Yggdrasil aus den Fugen, und der eiskalte Fimbulwinter zieht über das Land.

Das ist das Bild für den Moment, in dem gewohnte Kontrollmechanismen versagen. Übertragen auf unser heutiges Leben – mit all den rasanten technologischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Veränderungen – zeigt sich ein klares Bild: Das Alte greift schlichtweg nicht mehr.

Genau hier beginnt die Eigenverantwortung. Solange äußere Systeme stabil schienen, konnten wir die Verantwortung für unsere Sicherheit, unseren Wert oder unseren Lebensweg leicht an das Außen abgeben. Wenn diese Kulisse jedoch bröckelt, bleibt uns nur noch die Rückbesinnung auf uns selbst. Eigenverantwortung bedeutet in dieser Zeit, nicht mehr darauf zu warten, dass ein System uns rettet oder im Außen wieder Ordnung schafft, sondern den eigenen inneren Kompass eigenständig neu auszurichten.


Ragnarök im Inneren: Transformation durch Selbstliebe statt Furcht

Wenn Begriffe wie Götterdämmerung oder Zerstörung fallen, entsteht schnell Furcht. Doch Ragnarök ist nichts, wovor du dich fürchten musst. Es ist kein endgültiges Aus, sondern ein gewaltiges „Stirb und Werde“: Nachdem das alte Gefüge gereinigt wurde, steigt aus dem Ozean eine neue, wunderbar frische und grüne Erde empor.

Diese Wandlung ist die Einladung zu einer tiefen Transformation, einem Neustart und einer liebevollen Justierung deines aktuellen Lebens. Doch wie gelingt ein solcher Schritt mitten im Umbruch?

Der Schlüssel dazu ist eine tief verankerte Selbstliebe. Anstatt gegen den Wandel anzukämpfen oder dich für deine eigenen Unsicherheiten zu verurteilen, darfst du dir im Chaos selbst einen geschützten Raum schenken. Selbstliebe ist das energetische Fundament, das dich trägt, wenn im Außen die Stürme toben. Anstatt aus Angst an ausgedienten Mustern festzuhalten, erlaubt dir die Liebe zu dir selbst, das Loslassen als Befreiung und Chance zum Wachstum zu begreifen.


Die Götter in unserem Alltag: Beziehungsdynamiken als Spiegel nutzen

Der Wandel zeigt sich nicht nur in großen gesellschaftlichen Gefügen, sondern ganz konkret in deinen täglichen Begegnungen. Die nordische Mythologie ist voll von Charakteren, die uns erstaunlich vertraut sind. Jeder von uns hat Menschen im Umfeld, die archetypische Rollen besetzen:


Der stoische Thor: Ein Mensch, der gerne mit seiner Stärke glänzt und nach außen unerschütterlich wirkt – oft auch, um von eigenen Schwächen oder Unsicherheiten abzulenken.


Der herausfordernde Loki: Die Person, die dir gefühlt mit Absicht das Leben schwer macht, deine Knöpfe drückt und Verwirrung stiftet.


Der weise Odin: Die Anlaufstelle in deinem Leben, wenn du Orientierung suchst und ein offenes Ohr für klugen Rat brauchst.


Die fürsorgliche Frigg: Die gute Seele, die schützend ihre Hände über dich hält und stets nur das Beste für dich möchte.


Hier treffen Selbstliebe und Eigenverantwortung auf magische Weise aufeinander. Es ist leicht, einen „Loki“ in unserem Leben zu beschuldigen oder sich hinter der Rüstung eines „Thor“ zu verstecken. Doch in der Eigenverantwortung erkennen wir: Jede dieser Begegnungen ist ein Spiegel für uns selbst.

Wenn ein Loki deine Knöpfe drückt, lädt er dich im Grunde dazu ein, klare Grenzen zu setzen und noch tiefer in deine Selbstliebe zu gehen. Und wenn ein Thor Stärke vorspielt, darfst du mit Mitgefühl hinschauen, statt ihn zu verurteilen. Wahres Verständnis für andere beginnt immer im tiefen Verständnis für dich selbst. Erst wenn du deine eigenen Schatten und Extreme annimmst, kannst du deinen Mitmenschen in ihrer Ganzheit begegnen.

Ragnarök ist kein Schreckensszenario, sondern ein Weckruf. Es lädt dich ein, die Verantwortung für dein Erleben, deine Gefühle und deine Ausrichtung wieder voll zu dir zurückzuholen. Wenn du aufhörst, dich vor der Veränderung zu fürchten, wird der Zusammenbruch des Alten zur Geburtsstunde deiner eigenen Neuausrichtung. Die neue, grüne Erde entsteht nicht irgendwo da draußen – sie erwächst in dir, sobald du dich dafür entscheidest, dein Leben aus der Quelle der Selbstliebe und der eigenen Kraft heraus neu zu gestalten.


Wie nimmst du den aktuellen Wandel in deinem Leben wahr? Welche alten Strukturen dürfen bei dir gerade weichen, um Platz für deinen ganz persönlichen Neustart zu machen?



 
 
 

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